20. ... und am Schluss: drei Tage in Singapur
Auf der Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel
erzaehlt uns der chinesische Fahrer, dass Wahlen gewesen seien und wieder
ein Mitglied der Familie Lee Praesident
geworden sei. Diese regiert seit
1965 den selbsstaendigen Staat Singapur ziemlich
autoritaer. [Tun sie heute immer noch - 2020] Auf Fragen meint er, dies
sei “sehr gut fuer uns”. Tatsaechlich ist der winzige Staat weltweit einer der reichsten, aber auch einer mit den hoechsten Lebenhaltungskosten.
Unser Hotel lag in “Little India”. Wir kamen am Sonntagabend an. Wir glaubten uns
wirklich nach Indien versetzt. Die Strassen dichtgedraengt mit dunkelhaeutigen
Menschen, fast nur Maenner. Viele hocken am Strassenrand, essen trinken, diskutieren. Andere sitzen in den Strassenlokalen, aus
denen die Gerueche currygewuerzter Gerichte ziehen, die meisten essen mit den
Fingern der rechten Hand. In die erleuchteten Geschaefte in den
Arkadengaengen draengen sich die
Menschen, Schmuck wird angeboten, viel Gold, bunte Stoffe, Elektroartikel,
dazwischen Fruchtstaende, Lebensmittellaeden, Wahrsager … alles sehr
orientalisch - und chaotisch. Der Taxifahrer gab es auf, sich durch das Gewühl hindurch zu schlängeln und wir mussten die letzten Meter zum Hotel mit dem Koffer in der Hand laufen. Die berühmt-berüchtigten Ordnungs- und Sauberkeitsverfuegungen der Behoerden Singapurs scheinen in diesem Viertel außer Kraft gesetzt zu sein.
Doch das Hotel ist eine Oase der Ruhe im Getriebe, sehr sauber, ordentlich, klimatisiert, hoeflich-freundliche Asiaten an der Rezeption.
Am naechsten Gang durch das Gassengewirr zur Haltestelle des Touristik-Buses. Wir kommen an einem Hindutempel vorbei. Bunte Figuren der Hindumythologie aussen. Innen eine Vielzahl von Schreinen mit Goetterbildern. Wir ziehen die Schuhe aus und betreten mit vielen Menschen den Innenraum. Feuer lodern, Menschen werfen sich anbetend vor den vielgliedrigen Gottesstatuen nieder, opfern Fruechte, zuenden Raeucherstaebchen an. Andere scharen sich um Priester mit orangenen Gewaendern, suchen Belehrung und Rat.
Dann Rundfahrt durch Singapur mit dem Aussichtsbus. Wir erleben verschiedenartige Stadtviertel, das malayische Viertel mit einer grossen Moschee ( die wir am naechsten Tag besuchen), dem Sultanspalast (heute Museum), viele kleine Haeuschen im indonesische anmutenden Stil mit niedlichen Geschaeften, praechtige Hotels und Regierungsbebaeude aus der englischen Kolonialzeit und dann Hochhaeuser, Hochhaeuser, etwas altmodische und supermoderne. Im Chinesenviertel steigen wir aus, beim aeltesten Hindutempel Singapurs bricht unsere Kamera zusammen, bei einem chinesischen Haendler erwerben wir eine neue [die auch bald wieder ihre Funktion aufgegeben hat - in Europa keine Garantie, da in Singapur gekauft!]. Wir schlendern durch die dichgedraengten Staende mit chinesischen Waren, Gerichten … Da: mittendrin ein deutscher Stand mit Bratwurst!!! Am Ende landen wir bei einem riesigen chinesisch-buddhistischen Tempel, dem Buddha Tooth Relict Temple. Sehr bunt erhebt er sich in fuenf Stockwerken. Am Eingang ein grosser Behaelter fuer Raeucherstaebchen. Auch wir stecken zwei fuer uns an. Im Inneren herrschen Gold und rot vor, grosse Buddhafiguren thronen auf Altaeren, Blumen, Fruechte davor, an den Seitenwaenden in Nischen tausende kleine Buddhastatuen, auf Tischen mit Stuehlen liegen heilige Schriften zum Studieren bereit. Die ueberladene Pracht erschlaegt uns fast. Leiser Moenchsgesang erfuellt den Raum, Menschen mit andaechtig gefalteten Haenden verbeugen sich, viele werfen sich auf die Knie … Laechelnde Moenche in orangfarbenen Gewaendern gehuellt bieten ihre Dienste an. Dezent wird der Besucher auf Spendenmoeglichkeiten hingewiesen.
Am zweiten Tag haben wir den 2005 eroeffneten Tempel weiter erforscht. Wir sind bis oben gestiegen, an vielen Raeumen vorbei (Tiefgarage, Konferenzhalle, Restaurant usw.) Ganz oben befindet sich ein “Kreuzgang” mit Garten und kleiner Tempelhalle. Hier ist das “Allerheiligste”: in einer goldenen Stupa (Kuppel) wird einer der vielen in der buddhistischen Welt verehrten (angeblichen) Zaehne Buddhas aufbewahrt. (Wieviele Zaehne hatte eigendlich der “Erleuchtete”?) Der quadratische Kreuzgang erinnert an christliche Kloester, nur dass hier in den vier Ecken Buddhafiguren stehen. Eine Frau wirft sich flach auf den Boden und rutscht dann auf den Knien weiter. So bewegt sie sich im Kreuzgang vorwaerts, von Ecke zu Ecke … Irgendwo stossen wir auf eine riesige Gebetsmuehle, angeblich die groesste der Welt. Auch wir drehen sie, um eine guenstige Wiedergeburt zu foerdern.
Wir fahren im Bus weiter. Jetzt kommen wir in in die Orchard Road, die Hauptkonsum- und Ausgehmeile Singapurs. Riesige Shopping Center, Konsumtempel, Gaststaetten reihen sich aneinander. Alle Mode- und Firmenmarken der Welt vertreten. Bombastisch! Jedes europaisches Geschaeftsviertel verblasst hier. Hier wird die wahre Religion Singapurs gefeiert, Geschaeft, Geschaeft, Money, Money…
Ganz erschlagen kommen wir in unserem Hotel
an. Eine wahnsinnige, faszinierende Stadt, dieses Singapur, mit seiner
Bevoelkerungsvielfalt, dem Rassen- und Kulturgemisch, seinen Gegensaetzen. Wir
essen in einem Strassenrestaurant mit suedindischer Kueche, scharf, scharf, wohlschmeckend und preiswert. Der Wirt weigert sich, uns mit den Fingern essen zu lassen - wie die indischen Gaeste - er legt uns Besteck vor.
Am naechsten Tag geht’s weiter. Besuch im Museum der Asiatischen Zivilisationen am Singapore River. Eine faszinierende Reise durch die verschiedenen asiatischen Kulturen, deren Einfluss sich in Singapur niederschlaegt.
Am dritten und letzten Tag leisten wir uns eine Fahrt mit dem “Singapore Flyer”. Dies ist ein gigantisches “Riesenrad” inmitten eines eigens dafuer errichteten Aufenthaltkomplexes. An der Spitze angekommen, verweilt die Kabine in 165 m Hoehe, und es eroeffnet sich ein umfassender Ueberblick ueber Singapur und seine Umgebung, bis hin auf die Singapore vorgelagerten Inseln, die Strasse von Malakka, Indonesien und Malaysia. Zunaechst fallen die ultramodernen Gebaeude und unzaehligen Hochhaeuser auf, dazwischen aber auch Parks, Wasserflaechen … In der Ferne sieht man eine Vielzahl an Schiffe ankern. Es wird deutlich, dass die Bedeutung Singapurs auf seiner Lage als Schnittpunkt von Wasserstrassen, als Hafen und Handelsplatz beruhte und beruht.
Danach lassen wir uns zur Insel Sentosa fahren. Diese ist zu einer Art tropischen Disneyland gestaltet worden, mit kuenstlichen Sandstraenden, tropischem Bewuchs und eine Menge an Vergnuegungs- und Erholungseinrichtungen . Wir besuchen die “Unterwasserwelt” mit ihrem 83 m langem Glastunnel, durch den man eine Vielfalt von Fischen und Meerestieren beobachten kann.
Zurueck zur Stadt laufen wir den “Sentosa
Boardwalk”, der entlang der Bruecke
fuehrt, die die Insel mit Singapur verbindet. Wir blicken auf die
Inselfront zurueck, aus der der “Merlion” hervorragt, ein riesiger Loewe mit
Fischunterleib, das Wahrzeichen der
meeresumgebenen “Loewenstadt”. In Ufernaehe erhebt sich eine Platform mit zwei grossen vogelartigen Eisengestellen. Ploetzlich
fangen diese unter Musik und Leuchteffekten an zu tanzen. Es sind die “Tanzenden
Kraniche”, ein Multimedia-Spektakel. Am “Boat Quai” des Singapore River suchen
wir aus der langen Reihe an Lokalen ein italienisches aus und essen Pasta.
Zum Abschluss besuchen wir noch einen in der Naehe gelegenen chinesischen Tempel. Er liegt eingezwaengt inmitten von Buerohochhaeusern. Durch ein Tor schreitet man in einen baumumstandenen Innenhof mit Raeucheroefen, an denen man die Gebetsstaebchen entzuendet. Dann erhebt sich vor uns der niedrige Tempel mit zwei Eingaengen, Bildtafeln an den Aussenwaenden und Schnitzereien am Dachgibel. Vor allem Drachenfiguren fallen uns auf. Leider sind die Spuren des Verfalls sichtbar. Wir betreten das bunte Innere und erfahren, es handelt sich um einen taoistischen Tempel, den aeltesten chinesischen Tempel Singapurs. Ein Ort der Ruhe, an den sich keine Touristen verirren, nur Chinesen, die hier ihre Opfer und Gebete vorbringen. Von allen Tempeln, die wir gesehen haben, gefiel er uns am besten, aber von der Vielzahl an Tempeln in Singapur haben wir ja nur wenige gesehen.
Abends dann Abflug von Singapur. Der Quantas-Flug fiel aus, wir flogen mit Britisch Airways, maessiger Service, eng, aber man konnte sich an dem im Vordersitz eingebauten Bildschirm die Zeit vertreiben, Flugroute beobachten, Filme sehen, Musik hoeren … 17 Stunden Flugzeit, einmal flogen wir in die Morgensonne, dann wieder in die Nacht. Morgens um 5 Uhr Ankunft in London Heathrow, endlose Gaenge zum Gate des Fluges nach Barcelona. Und endlich hat uns Spanien wieder. Mit dem Taxi zum Bahnhof Sants: Draengeln, Hupen, ruecksichtsloses Ueberholen im Verkehr, im Bahnhof hastende Menschen, Schubsen, muerrische Gesichter. Beim Einsteigen in den Zug werden wir im Gedraenge beklaut - Wolframs Geldbeutel mit Fahrkarten, Kreditkarte und Geld weg, aeussert geschickt aus einer verschlossenen Hosentasche gezogen. Europa – wie gehabt! Der Zug fährt ab und die Diebe sind spurlos untergetaucht. Ein Schaffner, der Probleme wegen der fehlenden Fahrkarten haette machen können, kommt nicht. In Figueres angekommen, lassen wir die Kreditkarte sperren, der entwendete Geldbetrag war nicht hoch. Also ein ertraeglicher Schaden, aber der Schreck und der Aerger! Trotzdem: wir freuen uns, wieder in unserem Haeuschen in Margarita wohlbehalten, wenn auch muede, anzukommen, Blumen auf dem Tisch, alles in Ordnung, Freunde haben dafuer gesorgt. Danke!
Bildergalerie: Eine Tour durch Singapur (Bilder werden durch Anklicken vergrößert)
"Little India" - Impressionen |
Das Hotel, in dem wir übernachtet haben |
Sultan Palast und Moschee |
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