Ocean Park, Shark Bay 14.04.2011 (Fortsetzung)
Nach Port Hedland geht’s ab ins
Landesinnere durch die Pilbara nach dem Karijini Nationalpark. Dagmar hatte ihn
schon bei ihrem vergangenen Australien-Besuch kennengelernt und Wolfram davon
vorgeschwaermt. Die Berge werden immer hoeher, schroffe rote Felsformationen,
in die Canyons abgehen. Dann die Einfahrt in den Nationalpark. Wir melden uns
an, lange abendliche Fahrt ueber rote
Sandpiste, hinter uns dicke Staubwolke. Wolfram brettert, um vor Einbruch der Dunkelheit auf dem angepeilten
Naturcampingplatz zu sein. Gerade noch rechtzeitig kommen wir in Dales
Campingarea an, bauen Tisch, Stuehle und das Mueckenzelt auf - und sitzen noch
lange bei Petroleumlicht in der etwas unheimlichen Dunkelheit draussen.
Am naechsten Tag frueh zum Besucherzentrum,
das sehr instruktiv ueber den Nationalpark informiert. Alle Canyons seien
wieder begehbar, wenn auch viel Wasser. Karijini ist wegen seiner Schluchten
beruehmt. Fluesse haben in die Berge tiefe Canyons gefressen, mit Wasserfaellen, unter ihnen Pools mit kuehlem
klaren Wasser, in denen gebadet werden kann (das Wasser kommt zum Teil aus dem
Untergrund). Rings umher ragen die nackten roten Sandsteinformationen senkrecht empor, je nach Sonneneinstrahlung
unglaubliche Farben. Die Pools und Felsen werden von gruenen Pythons bewohnt.
Fuer die Aborigines sind sie Verkoerperungen der mythischen Regenbogenschlange,
die die Taeler geschaffen hat und das lebensspendende Wasser bringt. Wir haben
keine der den Menschen gegenueber unagressiven Schlangen gesehen (aber Dagmar
hat bei ihrem letzten Besuch welche beobachtet). Von den fuenf Schluchten
besuchen wir zwei. Zuerst steigen wir zu den Kalamina Falls hinab. In der
Schlucht kommen wir aber nicht weit, der Weg ist unter Wasser und zugewachsen.
Erfrischendes Bad im Pool. Kein Mensch da. Wolfram, wie Gott ihn erschuf, bis sich
auf einer Felsspitze zwei junge Frauen
zeigen, die die Szene fotografieren. Naechste Schlucht, Dales Gorges, in der
wir den ganzen Tag verbringen. Wanderung am mit Gum Trees (Eykalyptusart)
bewachsenen Bach entlang. Ploetzlich sind wir von Schwierigkeitsstufe 1 bei 4.
Wir hangeln uns an schroffen Klippen vorbei, bis es nicht mehr weitergeht.
Schwimmen oder Rueckweg? Wir waehlen letzteres, wobei Wolfram, der weiter vorgedrungen
ist, doch bauchtief durchs Wasser waten muss. Auf Stufe 1- Weg dann bis zu terassenfoermig
angelegten Pools. Weiterweg nur durch Wasser moeglich. Wir kehren um und
wandern zum Circular Pool unter einem
Wasserfall. In der Spaetnachmittagsbeleuchtung dunkles, aber klares und eiskaltes Wasser. Baden. Die
Felsen erstrahlen oben blutrot.
Wir meinen, genug gesehen zu haben (und haben auch genug von
mueckenumschwirrten Naturcampingplaetzen) und fahren am naechsten Tag weiter
nach der Minenstadt Tom Price (Eisen), der mit 747 m hoechstgelegenen Stadt Westausstraliens. Sie wird von dem 1128 m
hohen Mount Nameless ueberragt, der aber
fuer die Aborigines nicht namenlos ist, sondern “Ort der Fels-Wallabies” heist.
Einkauf in der Outback-Stadt und dann auf staubiger einsamer Alternativpiste Weiterfahrt
Richtung Meer und Exmouth (635 km). Pilbara: Roter Staub auf der Piste,
rotes Buschland, rote Berge und Felsen, mal schroff, mal gerundet, mal tafelfoermig,
rote Termitenbauten, rote Kaengurus, rote Rinder auf dem Weg, grosse Echsen auf
der Strasse … und Minenzufahrten, Eisen natuerlich. Wieder einmal: Australien-Kalenderblaetter 2011.
Faszinierend!
Dann wieder normaler Highway – der
“Warluway”, der Weg der See-Regenbogenschlange durch das Land, Abzweigung nach
Exmouth, das an der Spitze einer in den Indischen Ocean ragenden Halbinsel
liegt. Die Gegend ist flach geworden, rechts und links “Waelder” an
Termitenhuegeln. Exmouth ist ein nettes
touristisch gepraegtes Oertchen, schoene Sandstraende, hohe Duenen,
Kuestenfelsen, ueberragt von einem etwas entfernt gelegenen hochgelegenen
Leuchturm (unter dem wir auf einem schoenen,
jetzt wenig belebten Campingplatz Unterkunft finden). Die grosse Attraktion ist das
Ningaloo Reef. Es erstreckt sich von Exmouth bis Coral Bay, ca. 80 km. Das
besondere ist – gegenueber dem Barriere Reef – dass es sehr nah am Ufer liegt.
Vom Strand aus sieht man die Rifflinie durch die weisse Brandung, die die hier
entsteht.
Unsere Tochter A. ist von Shark Bay
gekommen (ca. 800 km), um einige Tage mit uns zu verbringen. Hier hat sie ihre
Tauchausbildung gemacht. Ueberall lesen
wir: “Die Walhaie sind gekommen.” Wir fahren zur Tauchschule und buchen eine
Fahrt zu den Walhaien. Diese groessten Fische (12 m lang) kommen zur Zeit der
“Korallenbluete” zum Ningaloo Reef, weil dort ein reich gedeckter Tisch auf sie
wartet.
A. bereitet uns auf die Fahrt vor: Schnorchelunterricht an der Turquoise Bay im
Cape Range Nationalpark. Denn wir sollen
die (harmlosen, Plankton fressenden) Ungetueme schwimmend und schnorchelnd
begleiten. Wolfram, der ungeuebt ist, hat erst Probleme. Wasser kommt in den
Schnorchel, die Nase und Ohren. Die Schwimmbewegung mit den riesigen Flossen ist ungewohnt. Aber schliesslich klappt es. Wir schwimmen
hinaus zu den nahegelegenen Korallen. Eine wunderbare Welt eroeffnet sich uns.
Zwischen den (harten) Korallen-“Felsen” schwimmen grosse und kleine Fische in
allen Farben, am Boden gruendeln andere, Papageienfische nagen an den Korallen,
Seegurken kriechen auf dem Grund … Dagmar sieht einen kleinen Riffhai. Die
Stroemung treibt uns strandaufwaerts, wieder unter Wasser, neue Entdeckungen.
Leider haben wir keine Unterwasserkamera. Deshalb zeigen wir Aufnahmen aus einer
Bilderwand, die die Meeresfauna und -flora am Ningaloo Reef darstellt.
Wir lernen am Strand eine nette Gruppe von
adretten Aboriginal-Jugendlichen kennen, die unsere “Tauchkuenste” bewundern
(Oje, da merken wir, dass wir nicht mehr zu den Juengsten gehoeren. Aber sie
haben Respekt vor dem Alter!) Die Jungens – eine Begabtenauswahl, Stipendiaten –
besuchen in Geraldton eine “High School” mit angeschlossenem Internat, fuehlen
sich dort wohl (“wir lernen für unsere Zukunft”) und wuerden gerne einmal nach
Europa kommen. Auf die Frage, ob sie nicht ihr Zuhause vermissten,
zurückhaltende bis ausweichende Antworten: in Geraldton wuerden viele Indigene
leben, da fuehlten sie sich fast wie zuhause. Auch ihre Betreuer seien
“Aboriginal officers”. Sie laden uns ein, sie in ihrer Schule zu besuchen. [Zufügung:
haben wir versucht, aber die Schule war geschlossen – Wochenende oder Ferien.]
Auch am naechsten Tag ueben wir an der Bay
weiter Schnorcheln. Leider vergaellen uns Quallen die Freude. Wir steigen bald
aus dem Wasser. Und dann eine grosse Enttaeuschung: die Fahrt zu den Walhaien
faellt aus! Die Gruende wissen wir nicht - zu wenig Leute, keine Walhaie in
Sicht, stuermische See? Vielleicht koennen wir das bei unserem naechsten
Australienbesuch nachholen. [Zufügung: haben wir bei unseren späteren
Australienreisen nicht verwirklicht – die Gelegenheit hat sich nicht mehr
ergeben – und das Unternehmen hätte uns wohl auch überfordert. Unsere Tochter
hält uns allerdings entgegen, sie hätte bei ihren Tauchkursen schon über
80jährige dabei gehabt.]
Unsere Reise geht weiter nach Coral Bay,
reiner Ferienort am Meer. Abends pilgern wir zu einem Hotelkomplex. “Happy
Hour” – das wunderbar kalte und wohlschmeckende Bier im “Jug” (grosser Krug)
zum Sonderpreis. Lange Schlange an Essenbestelltheke. Wir ordern Cheeseburger
mit “Chips” (Fritten). Riesige Portion. Auf der Terasse sitzen wir inmitten von jungen
Leuten und Familien (fast immer drei Kinder!).
Auf den Bildschirmen ein Kricketspiel - lautes Mitgehen der Zuschauer. Die Australier sind
in ihrem Element. Wochenende – great Athmosphere! Wieder ein phantastischer Sonnenuntergang ueber dem Meer.
Und weiter
geht’s an der Kueste nach
Canarvon – dort schmeissen uns Eingeborenenkinder Eier durchs offene Autofenster,
die an uns und in der Fahrerkabine zerplatzen. Der Ort macht auf uns einen
uninteressanten und ungepflegten Eindruck, bis auf einen “Top Tourist”-
Campingplatz, auf dem wir uebernachten. Die Bananenfelder um die Stadt sehen
ziemlich mitgenommen aus, von der Ueberschwemmung im vergangenen Dezember. Die
Folge: viele beschäftigungslose Aborigines. Schon am Ortseingang weist ein
Schild darauf hin, dass hier keine Arbeitskraefte gesucht werden (das richtet
sich wohl vor allem an Backpacker).
Un nun hinunter nach Shark Bay (ca. 350
km). Wir biegen am Overlander Roadhaus
ab Richtung Denham, das auf einer der Halbinseln liegt, die die “Haifischbucht”
bilden. Unterwegs Baden am Shell Beach – einem
breiten Strand, der ganz von kleinen Muscheln gebildet wird,
schneeweiss. Wunderbares blau-gruenes klares Wasser. Paradiesisch! Keine
Haifischgefahr! Und doch: wie im biblischen Paradies - die Schlange! Ein
Australier zeigt seiner kleinen Tochter eine 50-cm lange, giftige Snake auf dem Pfad zum
Strand: “Nie anfassen, immer Abstand halten, die kleinen sind genauso giftig
wie die großen”, sagt er und laesst sie entkommen. Auch diese
Kreatur ist geschützt und hat ihren Sinn im Netzwerk der Natur.
Und dann laufen wir im Ocean Park ein – schon
fast heimatliches Gefuehl. Im Café gibt
es “den besten Kaffee der Bay” und guten Kuchen. Den “Ocean Park” und seine
Umgebung haben wir ja schon am Anfang unserer Reise beschrieben,
sodass wir das nicht mehr tun muessen. Jetzt verbringen wir ruhige Tage hier, wollen aber auch noch einige
Ausfluege machen. Shark Bay –
Weltkulturerbe - ist meerumgebenes trockenes Buschland, tagsueber ist es noch
sehr heiss, aber nachts schon recht kalt, es wird Herbst. Die Besucher des “Aquariums”
nehmen zu, die Fliegen ab, Muecken gibt es fast gar keine mehr. Wir sind froh,
hier den Tropen entronnen zu sein und sehen unserer Rueckreise entgegen.
 |
Pilbara - Eindrücke
|
 |
Durch die wassergefüllten Schluchten ...
|
 |
Und dann nach der ...
|
 |
... Minensiedlung Tom Price ...
|
 |
... und wieder zurück zur Küstenstrasse auf unasphaltierter Piste
|
 |
Übernachtung in einem Container auf einem Rasthof
|
 |
Vor dem Leuchtturm in Exmouth
|
 |
Unsere Tochter schläft im Outback-Schlafsack neben dem Auto
|
 |
Es gibt nette Cafés in Exmouth
|
 |
Auf dem Weg zu Stränden
|
 |
Ningaloo Reef und seine Welt
|
 |
Hier wird eine Urbanisation an Kanälen angelegt - wie in Empuriabrava
|
 |
Zurück zur Küstenstraße und Weiterfahrt ... |
 |
Halt auf einem Tagesrastplatz
|
 |
Bizarre Erinnerungsstätten an hier umgekommene Automobilisten oder Mitfahrer
|
 |
Typische Landschaftsformationen im Shark Bay Shire ...
|
 |
... Eingetrockneter Salzsee ...
|
 |
... Buschlandschaft ...
|
 |
Hier geht´s ab zu den Shark Bay Halbinseln
 |

 |
Shell Beach - der Strand wird von kleinen Muscheln gebildet - und hier kriecht die kleine Giftschlange, die wir gesehen haben (Ringed brown snake Pseudonaja modesta?) |
 |
Wieder zurück im Ocean Park
|
 |
Die Anlagen
|
 |
In diesem Häuschen fanden wir Unterkunft
|
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Es gilt die Datenschutzerklärung