Armidale 30.01.2011
Die Fahrt von Mildura im
Murray Riverland ueber Haye und Wagga Wagga (sprich: woge woge - schoener Name, nicht?) fuehrt
ueber 500 km durch Gebiete, die uns an die Nullarbor Desert erinnerten: platte
Buschlandschaft. Nicht viel Verkehr, aber riesige Laster donnerten an uns
vorbei. Wir sahen noch die Reste der Ueberschwemmungen, die New South Wales
heimgesucht hatten. An dem Campingplatz in Darlington Point am Murrumbidgee
River, wo wir Halt gemacht hatten, erzaehlte uns der Campingwirt, dass der Platz
voellig ueberschwemmt war und in seinem Wohnhaus (auf Stelzen) das Wasser einen
Meter hoch stand. Klar, dass uns abends die Muecken ziemlich zusetzten. Nach
Wagga Wagga kamen wir auf die Schnellstrasse nach Sidney ("Hume Highway"), was sich durch immer
dichteren Verkehr bemerkbar machte, der uns wenig Gelegenheit liess, die
huebsche huegelige Landschaft zu betrachten. Auf einen Abstecher nach der Regierungshauptstadt Australiens, Canberra, verzichteten wir.
Wir liefen in die Vororte
von Sidney ein und fanden einen passablen Campingplatz, auf dem wir fuenf Tage
verbrachten (bis zum 17.). Von hier aus starteten wir unsere Exkursionen in die
City, mit Bus und Zug, was gut ging, und uns den rasanten und dichten Verkehr
ersparte.
Sidney ist eine sehr
lebendige Stadt, riesig, viele unterschiedliche Vororte, enorm viel
Zugewanderte, vor allem die Chinesen fallen uns Auge. Bei unserem ersten
Ausflug landeten wir auch in Chinatown und assen in einem Restaurant nur mit
Chinesen. Das Essen schmeckte, bekam uns aber nicht. In der City natuerlich
Massen an Touristen. Wir erkundeten die Innenstadt zu Fuss, was anstrengend,
aber gut zu bewaeltigen ist.
Zwei Hafenviertel bilden
die Anziehungspunkte, um die sich die Sehenswuerdigkeiten gruppieren. Der
Darling Harbour im Osten, von dem man die Hochhauskulisse des
Geschaeftsviertels erblickt und den Sidney Harbour im Norden, ueber den auf der
einen Seite die grandiose Harbour Bridge auf den gegenueberliegenden Stadteil
fuehrt und auf der anderen Seite auf einer Landzunge das nicht minder imposante
moderne Opernhaus zu sehen ist. Es erinnert an ein riesiges Segelschiff mit
vielen geblaehten Segeln. Der Bau wurde 1959 von dem daenischen Architeken Jorn
Utzorn begonnen, einem Aussenseiter, und nach seinem Ausscheiden von einem
australischen Architekrtenkonsortium 1973 beendet. Wir waren sehr bewegt, als wir
am Circular Quay, wo die Faehren ablegen, inmittem einem bunten flanierenden
Voelkergemisch standen und diesen Anblick genossen. Wir kannten den Anblick von
Bildern, aber nun waren wir wirklich hier!
Ist Sidney wirklich die
„schoenste Stadt der Welt“, wie in manchen Reisefuehrern zu lesen ist? Auf
jeden Fall eine pulsierende, interessante Weltstadt mit vielen
Sehenswuerdigkeiten, Museen, Gebaeuden, Vierteln und reizvoller Lage und
Umgebung. Von den Museen besichtigte Wolfram das "Contemporary Museum of Art Australia" am Darling Harbour. Es zeigt Werke moderner australischer und internationaler Künstler, unter anderen auch Beuys. Wir legten gern von unseren anstrengenden Fussmaerschen eine Pause
unter den riesigen Baeumen des ausgedehnten „Koeniglichen Botanischen Gartens“
ein. Oder wir genossen das fast
spanische Flair in dem sich ueber den Sidney Hafen erhebenden Viertel „The Rocks“ mit
dem (angeblich) aeltesten Gebaeude Sidneys, seinen engen Gassen, vielen kleinen Restaurants
(auch einen „bayrischen Biergarten“ gibt es !), aparten Geschaeften und einem
pittoresken Markt. Wir besuchten die zwei aeltesten und groessten Kirchen
Sidneys, die anglikanische St. Andrews Kathedrale und die riesige katholische
St. James Kathedrale. Beides Bischofskirchen, mit schoenen bunten Glasfenstern
und Oasen der Ruhe. Sie zeigen, dass auch Neugotik erhebend und schoen sein
kann. Aber Sidney ist eben auch eine Grossstadt mit Schattenseiten: chaotischer
Verkehr, Dreck, Kriminalitaet, Hektik - wir vermissten die australische
Gelassenheit und Disziplin, die wir in Perth und Adelaide noch gefunden hatten.
Wir denken, man sollte
nicht vergleichen – etwa mit Barcelona, mit seinem geschichtlichen Hintergrund,
den es in Australien natuerlich nicht gibt – Sidney ist einfach anders.
Ein besonderes Erlebnis
war fuer Wolfram die Besteigung eines zum Museum ausgebauten Steinpylons oder Turms
der Harbour Bridge (Dagmar blieb wegen der vielen Treppen unten).
Von oben (ich glaube
ueber 80 m) hat man eine tolle Aussicht ueber den Hafen, das gegenueberliegende
Opernhaus, die Innenstadt und umliegende Vororte.
Die Hafenbruecke ist eine
technische Meisterleistung, zu der gewaltige Mengen an Stahl, Beton und Steinen
gebraucht wurden. Gebaut von 1924 bis 1932. Das Museum zeigt, welche harten und
gefaehrlichen Arbeitsbedingungen herrschten. Der Brueckenbogen umspannt 503 m, dier hoechste Punkt erhebt sich 134 m
ueber dem Wasser. Noch heute genuegt der Bau dem dichten Verkehr von den
noerdlichen Vorstaedten in die Innenstadt (die Ueberquerung kostet „Zoll“). Ausserdem
benutzen Fussgaenger, Radfahrer und Jogger die Bruecke, und ich meine auch eine
Bahn. Man kann unter Fuehrung den Bogen
auf vielen Treppchen umklettern. Das wird touristisch gross aufgezogen und als
einmaliges Erlebnis verkauft. Kostet ca. 120 Dollar pro Person, ist bei der
Hitze eine Strapaze, erfordert aber keinen besonderen Wagemut. Uns wunderte,
wieviel Leute, ganze Familien, das mitmachen. Wir haben es nicht getan.
Am letzten Tag liessen
wir uns nicht entgehen, eine andere Ikone Sidneys zu besuchen. Mit Massen an
Backpackern und einheimischen jungen Leuten fuhren wir an den Bondi Beach.
Dieser Strand ist den
freizeitbegeisterten Sidneyern heilig. Ein breiter Sandstrand vor einer Kulisse
an hohen Apartmenthaeusern, Restaurants und Cafes (in denen die Schaulustigen
sitzen), begrenzt an den Enden von grossen Felskloetzen. Sieht nicht viel
anders aus als der Strand an einer der touristischen Hochburgen der Costa
Brava. Das besondere ist aber der Pazifik mit seinem tiefblauen Wasser (bei
schoenem Wetter) und seinen riesigen Wellen. Massen an Wellensurfern versuchen
ihr Koennen an ihnen. Dies und das Baden ist aber wegen der Wucht der Wellen
und den starken Untertroemungen nicht ungefaehrlich (von Haien wollen wir gar
nicht reden, die man durch ein Netz abhalten will!). So sind staendig eine grosse Zahl von Rettungskraeften zugange,
die ueben und Verunglueckte aus dem Wasser holen.
Blue Mountains – Welterbe
Nach Sidney fuhren wir
ca. 60 km landeinwaerts in die beruehmten Blue Mountains. „Blaue Berge“- wir
dachten, das werden so kleine romantische Huegels sein. Tatsaechlich sind es
aber grosse und hohe Bergmassive (ueber 1000 m hoch) – dichtbewaldet mit
grossen Eukalyptusbaeumen und durchzogen von tiefen felsgekroenten Schluchten
mit grandiosen Wasserfaellen. Und sie sind wirklich blau – ein blauer Dunst
umhuellt Berge und Canyons. Man sagt, das kommt von den Ausduenstungen der
Eukalyptuswaelder. Erst absolvierten wir das touristische Programm – wir fuhren
eine „scenic" Route mit tollen Aussichtspunkten ab, von denen man auf Felsen, Wasserfaelle und Berge blickt.
Zeitweilig ist man unter Massen an Touristen, die in Bussen herbeigekarrt
werden – wieder viele fotografierende Chinesen.
Ein touristisches „Muss“
ist der Ausblick auf die „Drei Schwestern“ – drei nebeneinanderstehende bizarre
Felsnadeln. Eine Aborigine-Sage erzaehlt, es seien drei Schwestern gewesen, die
Maenner aus fremden Staemmen liebten, was gegen das Gesetz ist. Als die Maenner
die jungen Frauen rauben wollten und ein Eingeborenenkrieg begann, verwandelte
der Zauberer ihres Stammes die Maedchen in Felsen, um sie in Sicherheit zu
bringen. Nachdem die Gefahr vorueber war, konnte er sie aber nicht mehr
zurueckverwandeln. Und so stehen sie heute noch als Steinsaeulen da.
In Katoomba verliessen wir
die touristischen Pfade und schlugen den Weg zu einem Zeltplatz in der Wildnis
ein. Nicht weit von ihm eroeffnete sich ein Blick auf ein tiefes felsgesaeumtes
Tal. Weit drunten ein dichter Gum Tree Wald (Eukalyptusbaeume). Wie Glockenklang
toenten Vogelrufe hinauf. Dank des Eingreifens begeisterter australischer
Bergwanderer wurde dieser Wald in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts vor
dem Abholzen gerettet.
Wir kamen fast alleine an
dem Zeltplatz an; aber wie oft erlebt, fuellte er sich abends mit Campern,
meist jungen Leuten. Trotzdem war die Nacht in der Wildnis unheimlich.
Morgens machten wir auf
und stiegen in das Tal hinab. Steil ging es ueber meist in den Fels gehauene
Treppen hinunter. Wir schafften es bis zur Waldgrenze im Tal. Das beabsichtete
Bad im Fluss fiel aus. Wir fuerchteten den Aufstieg ueber die Treppen, der
gewaltig in unsere doch nicht mehr ganz elastischen Knie ging. Auf dem Rueckweg
gab es einen Schrecken. Ein kleiner Taipan, wohl die giftigste Schlange der Welt,
lag vor uns wie ein Ast auf dem Weg. Weil dieser glatt war,
konnte die roetliche Schlange mit schwarzem Kopf nicht mehr fliehen und schlaengelte sich
rasch auf Dagmar zu. Gluecklicherweise fand das Tierchen dann einen Ausweg und
verschwand im Gras. Dann gab es noch einen weiteren Schrecken: als wir abfahren
wollten, sprang unsere Ethelmaus nicht an. Eine bloede Situation in dieser
Einsamkeit. Der Grund war, dass die Batterie in der Anlassersicherung am Ende
war. Zum Glueck hatten wir ein Ersatzteil und so konnten wir doch starten.
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Auf der Fahrt durch das Landesinnere von westlichen Teilen New South Wales` Richtung Sidney ...
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... hin und wieder große Trucks ...
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... einsame, weite Landschaft
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... überschwemmte Gebiete am Murrumbidgee River
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Verwalterhaus auf einem Campingplatz in Darlington Point, das noch vor kurzem im Wasser stand
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Oben: Einfahrt nach Waga Waga, darunter: Haupstrasse. Waga Waga ist die größte Stadt im Inneren von New South Wales, schien uns aber gesichtslos, sodass wir sie nur durchfuhren und in Yass auf einem Campingplatz übernachteten. (Bild unten: wikimedia commons /Bidgee)

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Dann ging´s auf die Schnellstrasse nach Sidney ("Hume Highway"). Oben ein Blick beim Fahren auf hügelige Landschaft. Unten: Wir nähern uns Sidney (Bild: ozroads.com.au)
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In Sidney erst einmal auf einen Campingplatz. Von hier aus starteten wir mit Bus und Zug zu unseren Exkursionen in die Innenstadt. Von der "Central Station" (Hauptbahnhof) gelangt man zu Fuß oder mit der Metro in das belebte Zentrum und zu den beiden Häfen. Hier einige Eindrücke:
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Zwei Shopping Center - oben "Market City" im (früheren) chinesischen Viertel Haymarket, unten das neoromanische Queen Victoria Buildung, umgeben von modernen Gebäuden
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Skulptur eines chinesischen Künstlers: "Goldener Baum des Glücks" oder "Goldener Wassermund" (Haymarket) - vereinigt die chinesischen Elementar-Elemente Holz, Metall, Erde, Wasser
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Alt und modern eng beisammen
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Es gibt in der City Oasen der Ruhe: hier die katholische St. Marys Cathedral am Hyde Park
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Inneres einer der neogotischen Kirchen
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Rast in den "Königlichen Botanischen Gärten"
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Am Darling Harbour
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Haifischmaul im "Nationalen Maritimen Museum". (Oder war es im "Aquarium"?)
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Opernhaus am Sidney Hafen
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Die Sidney Harbour Bridge
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Auf der Treppe kann man den Brückenbogen gesichert überklettern
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In einem der Brückenpfeiler ("Pylon") ist ein Museum eingerichtet, in dem Modelle der Arbeiter zu sehen sind, die die Brücke errichteten
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Ausblicke vom "Pylon Lookout"
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Hier geht´s zu "The Rocks" - dem ältesten Viertel Sidneys
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Straßenkünstler - er macht sich das "Aboriginal-Image" der Touristen zunutze ...
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... und er tanzt mit einer Puppe
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Gilt als ältestes Gebäude Sidneys: Cadman´s Cottage (1815)
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So sah es 1901 in "The Rocks" aus ...
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... und so heute
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Das älteste Pub Sidneys
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Es gibt auch einen bayrischen Biergarten
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Ganz schön anstrengend die Stadttouren - Rückfahrt im Zug
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Am Bondi Beach - berühmter Schwimm- und Surfspot
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Es gibt große Wellen und gefährliche Strömungen im tieferen Wasser. Vor Haien schützt ein Netz, das vor dem Bade- und Surfbereich aufgespannt wurde. Dennoch gibt es immer wieder Haiwarnungen
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Gesicherte Schwimmbecken am Südende des Strandes ("Iceberg Pools")
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Felsen am Ende des Strandes
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Ein Verkaufswagen, im Hintergrund eines der Cafés, von dem aus man das Strandtreiben beobachten kann ...
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... und der Wagen der Rettungsmannschaft, die oft viel zu tun hat
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Die Katze in ihrer Ecke kümmert sich nicht um das Freizeit- und Touristengetriebe
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Blick in die "Blue Mountains"
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Szenische Wasserfälle ...
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Klettern über Felsen, dichte Urwald-Vegetation und ein altes Brunnenbecken zum Füssekühlen bei einer Wanderung
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Immer wieder schöne Ausblicke ...
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... Hier auf die "Drei Schwestern" - nach den Geologen erodierter Sandstein, nach der Aboriginal- Erzählung drei verwunschene Schwestern ...
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1813 überquerten Gregory Blaxland, William Lawson and William Charles Wentworth als erste Europäer die Blue Mountains
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Viel Tourismus bei den "Drei Schwestern"
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Aus dem Tourismus-Rummel flüchten wir nach dem einsamen "Perry´s Lookdown"
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Auf der Piste finden wir zwei tote Schlangen, eine große und eine kleine
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Tief unten fließt der Grose River
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Immer liegt Dunst über den Eukalyptus-Wäldern. Die Ausdünstungen der Bäume haben den "Blue Mountains" den Namen gegeben
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Erst mal machen wir es uns auf dem Campground gemütlich. Ein bischen unheilmlich ist es aber in der Wildnis doch
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Am frühen Morgen machen wir uns auf den steilen Abstieg zum Flussgrund, der 600 m unter uns liegt.
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Unterwegs begegnen wir Reptilien, einem kleinen Taipan und einer Echse
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Nach 400 m mühsamen Abstiegs geben wir auf - es ist sehr heiß
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Wir finden viele interessante Pflanzen und schöne Blumen
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Ein Blick zurück zu den "Blauen Bergen"
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