31.12.2010
Wir sitzen hier auf dem
Campingplatz eines Motels am Madura-Pass. Vom Outlook (Aussichtspunkt) haben
wir in den Nullarbor Plain hinabgeblickt. Endloses Gras- und Buschland,
durchsetzt mit Akazien. Savanne - erinnert an Afrika (wo wir noch nicht waren).
Dort hinab wird morgen
die Fahrt weitergehen. Aber heute Abend werden wir noch in die Bar des Motels
gehen und den Jahresuebergang feiern - mal sehen, was sich hier tut. „Die
beste Verkleidung wird praemiert!“ Man
darf sich nicht vorstellen, dass das hier „vornehm“ ist: Tankstelle,
Wellblechhuetten (aber ein Schwimmbad), einfaches Campingareal („Vor Schlangen
wird gewarnt!“). Nach uns sind noch einige Uebernachtungs- und Campinggaeste
eingetroffen: Australier und „internationales Publikum“. Wir sind hier im
tiefsten Out-Back! Auf der langen Strasse durch die „Nullarbor Desert“, die
Westaustralien mit Suedaustralien verbindet, dem Eyre Highway. Von Norseman,
dem Ausgangspunkt vor der Fahrt durch den Nullarbor Plain, bis Adelaide sind es
2000 km. (Der letzte Teil der Reise ist aber nicht mehr „Wueste“.)
Am zweiten Weihnachtstag
sind wir von Maitraya abgereist. Ueblicherweise feiern die Australier am ersten
Weihnachtstag. Dann gibt es die Geschenke und das grosse Essen. Zu unserem
Glueck wurde schon am 24. gefeiert, da die meisten der Grossfamilie, die von
weither zusammengekommen war, die Heimreise am 25. antreten wollten. C., E.s
Mutter, stand schon ab 8.00 Uhr in der Kueche, um einen grossen Puter, drei
Huehner und zwei Rinderbraten
vorzubereiten. Zum Mittagessen gab es Reste von den Vortagen, schwarzen Suesswasserhummer
(aus den eigenen Teichen), Austern, Muscheln, Garneelen, die die Maenner in
aller Fruehe aus der See gefischt hatte. Im grosse Salon stand ein praechtiger
Weihnachtsbaum, unter dem die Geschenke fuer die Kinder lagen, die sie am
Nachmittag unter Jubel auspackten. Abends dann das grosse Menue. Die Frauen
herausgeputzt, in roten Kleidern, die Maenner im Freizeitlook. Immer wurde
irgendwann und irgendwo ein Paeckchen ueberreicht an jemanden, den es zu
beschenken galt. Bis spaet in die Nacht sassen alle im inneren Palmengarten und
unterhielten sich angeregt (da sie, je spaeter es wurde, immer mehr in ihren
Slang verfielen, verstand ich dann fast gar nichts mehr). Dagmar konnte leider
nicht teilnehmen, sie verbrachte den Abend im Cottagehaus mit den „Gesellen“
Magen- und Darmverstimmung. (Das griff uebrigens am naechsten Tag weiter um
sich – es schluckten noch mehr der Beteiligten Tropfen gegen Uebelkeit.).
Am naechsten Tag erhiehlt
das Fest einen kuriosen Glanz. Die ganze Familie posierte in immer wieder neuen
Variationen vor dem Fotographen, der unser Sohn C. war. Besonders toll
die Frauenriege.
Am Nachmittag kam der
grosse Abschied mit vielen Umarmungen. Auch Sohn C. und Tochter A. machten sich
auf den Weg nach Perth. Wir blieben noch und hatten am Abend ein nettes Essen
und Zusammensein mit E.s Eltern, E. und J. (der juengsten Tochter).
Am naechsten Morgen
fegten wir das Cottagehaus, packten unsere „Ethel-Maus“ und nahmen Abschied von
unseren so sympathischen Gastgebern, R. – dem „grossen Boss“- und C., einer
geborenen von Schill – Nachfahrin des preussischen Freiheitshelden Ferdinand
von Schill (Napoleons Zeiten). Wir haben Weihnachten in einer total
sympathischen Grossfamilie verbracht und wurden sehr liebevoll verwoehnt.
Wolfram wollte unbedingt
in die Sterling Ranges, die zu den hoechsten Bergen Westausstraliens (ueber 1000 m) gehoeren.
Wir fuhren von Albany aus los. Wir sahen schon die Berge in der Ferne, da
leuchtete im Cockpit unseres Autos eine Anzeige auf: T-Belt, in knallrot. Was
Gutes konnte das nicht bedeuten. Und was heisst das? In einen Feldweg eingebogen, das Woerterbuch
herausgezogen: muss der Keilriemen sein. Im Handbuch nachgeschlagen, Auskunft: Zeit, den
Keilriemen zu wechseln. Also: wieder zurueck und in Albany in eine Werkstatt
oder weiter in die Berge? In einer Mappe
mit den Wartungsunterlagen fanden wir dann eine Rechnung, aus der hervorging,
dass der Keilriemen vor nicht langer Zeit gewechselt wurde. Also weiter in die Berge. Dort wurden
wir von einem wunderschoenen Ausblick auf die imposanten Felsen des „Bluff
Knoll“ (1095 m) belohnt. Wenn man genau hinsieht, kann man viele „Augen“ im Berg sehen. Die Aborigines glauben,
dass es die Augen eines boesen Geistes sind, der alles beobachtet. Der Aufstieg auf den Berg ist teilweise steil, aber nicht schwierig. Wir gingen ein Stück hoch und genossen einige Ausblicke. Dagmar wollte dann aber wegen der Hitze umkehren. Ich begleitete sie zurück und machte mich noch einmal auf den Weg. Aber auch ich brach ich die Wanderung an einem Aussichtspunkt ab. Also in dieser Jahreszeit unbedingt frueh aufsteigen!
Weiter geht unsere Fahrt
in einen viel gepriesenen Naturpark am Meer: den Fitzgerald River National
Park. Erst ging’s auf der Sandstrasse gut, dann wurde eine 30 km lange Waschbrettpiste
daraus, die das Auto samt Inhalt ins totale Ruetteln und Schuetteln brachte. So fuhren wir im
Schneckentempo durch den roten Sand, wobei tote und lebendige Kaenguruhs den
Weg saeumten. Eigentlich sollte man um diese Zeit - mit Einsetzen der Daemmerung - schon am Ziele sein. Man riskiert sonst Zusammenstöße mit Kaengurus, die um diese Zeit aus ihren Verstecken kommen und über die Strasse huepfen. Die Tiere sind voellig verkehrsuntauglich! Durch meine Bergbesteigung waren wir spaet dran und die Piste kostete uns mehr Zeit, als wir auf Grund des Kartenstudiums angenommen hatten. Es blieb uns aber keine andere Wahl - in Nationalparks darf man nicht "wild" campen - und so mussten wir "auf Biegen und Brechen" den vorgesehenen Campground erreichen.
Wolfram war der Meinung, dass der Naturcampingplatz ("Point Ann") am Meer
voellig leer sein muesste. Doch bei der Einfahrt – inzwischen war es
stockfinster geworden – stellten wir fest, dass alle Plaetze, bis auf einen
winzigen, belegt waren. Trotz Bedenken, unsere Nachbarn zu stoeren, zwaengten wir uns hinein. So kamen wir in unserer Ethel endlich zur Nachtruhe.
Am
Morgen joggten wir an der wunderschoenen Steilkueste mit weissem Sand und
tuerkisblauem Wasser. Zum Baden war es zu kalt. Ein schoenes Erlebnis war, dass uns ein australisches Paar ihre überfluessigen Fische überreichten, die sie im Meer geangelt hatten.
Die Rueckfahrt bestand aus 50
km Waschbrettpiste, die wir - durch Erfahrung belehrt - diesmal schneller befuhren, da kommt man naemlich besser ueber die Unebenheiten hinweg.
Naechster Hoehepunkt,
zweihundert km im heissen Landesinnereren, war der Wave Rock bei dem kleinen Ort Hyden. Der "Wellenfelsen"
ist eine grosse Auswaschung in einer Granitformation, die sich wie eine brechende Woge erhebt
und in vielen Farben schillert. Der Granit ist Ergebnis eines vulkanischen Schmelzprozesses im Erdaltertum. Ein Teil des bis vor 60 Millionen Jahren durch Erosion freigelegten "Inselbergs" wurde wohl durch herablaufendes Regenwasser konkav ausgehoehlt oder - das ist eine andere Theorie - schon frueher durch chemische Prozesse mit Grundwasser erodiert, als der "Berg" sich noch unter der Erdoberfläche befand. Seine Farben erhielt das Gestein durch Oxydation. Seitdem ein Fotograf das auffaellige Gebilde publik machte, wurde es ein Anziehungspunkt für Touristen. Wir hatten aber Glueck, bei unserer Ankunft trafen wir nur auf wenige Besucher. Bei einer Wanderung um und auf den Granitberg
entdeckten wir interessante Felsformationen; manche Eidechsen, und tropische Voegel
begleiteten uns auf dem Weg.
In der Naehe gibt es noch einmal einen roten
Granitklotz, in dem sich eine Hoehle befindet, mit uralten Zeichnungen und
Handabdruecken der Aborigines. Ein wahrer Leckerbissen fuer Wolfram.
"Mulka"s Cave" gilt den Eingeborenen als Behausung eines boesen Geistes. Mulka stammte aus einer illegitimen Verbindung, war von gewaltiger Statur und Koerperkraft, aber hatte eine Behinderung: er schielte. Deshalb konnte er kein tuechtiger Jaeger werden, wurde ausgestossen und lebte in der Hoehle. Als Rache terrorisierte er die Gegend, verspeiste kleine Kinder und ermordete seine Mutter, als diese ihn zur Rede stellte. Zur Strafe toeteten ihn seine Stammesgenossen. Die Leiche wurde nicht rituell betattet und von Ameisen gefressen. (Eine Geschichte, die wohl erzaehlt wurde, um jungen Stammesmitgliedern klar zu machen, wie es denen ergeht, die sich nicht an die "Regeln" halten.)
Der Berg ("The Humps")
war vorest „unser Uluru“, dem er auch aehnlich sah. Ein "heiliger Platz" war der "Hump" ja auch.
Von Esperanca aus – am
Strand hatten wir eine Begegnung mit einem Seeloewen - machten wir uns auf den Weg zur Durchquerung
des Nullarbor Plains oder der Nullarbor Desert.
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Blicke vom Felsenberg "The Hump"
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Sandelholzbaum - war den Aborigines wichtig und wurde von den ersten europäischen Siedlern vermarktet
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Granitblöcke auf dem "Hump"
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Auf dem Weg zu Mulka´s Cave
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Dies ist die Höhle
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Zeichnungen in der Höhle
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Farbige Handabdrücke in der Höhle
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Im Wave Rock - Resort und Caravan Park...
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...werden einheimische Tiere und Vögel gezeigt
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Wir sind am Strand von Esperanca angelangt
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Der Seelöwe läßt sich von Neugierigen nicht stören
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