Katherine 06.03.2011 (Fortsetzung)
Von Alice Springs machten wir uns auf den
langen Weg zum Ayers Rock oder Uluru, wie der Aboriginal-Name lautet. Die
Fahrt fuehrt zunaechst durch die schoene Berg- und
Felslandschaft der MacDonell Ranges, dann lange durch ebenes Buschland. Man erwartet nach den Reisefuehrern
wuestenhafte Duerre. Nichts da – alles in wunderbarem hellem Gruen. Dann
taucht plotzlich aus der Ebene ein Tafelberg
auf. Auf einem Aussichtplatz stauen sich die Autos der Touristen, die fotografieren. Der Uluru? Wir wunderten uns, dass die Strasse im weiten Bogen endlos herumfuehrt. Ein Trick der Tourismusbehoerden? Nein! Endlich taucht der echte
Uluru in der Ferne auf, unverkennbar der rote vielgestaltige Felsklotz, wie wir ihn
von unzaehligen Bildern kennen. Rechts davon erheben sich weiter entfernt die 36 ebenfalls roten Felskuppen der Olgas oder
Kata Tjutas.
An der Einfahrt zum Nationalpark Uluru -
Kata Tjuta bezahlen wir 50 Dollar Eintritt und naehern uns dem beruehmten Berg,
der Weltkulturerbe ist und heute
gemeinsam von Regierungbehoerden und Vertretern von Aborigine-Staemmen, die hier beheimatet sind,
verwaltet wird. Das Gebiet wurde 1985 den urspruenglichen Eigentuemern
wieder uebergeben und von diesen fuer 99
Jahre an die australische Regierung verpachtet. Es ist vorbildlich fuer
Touristen erschlossen, mit schoenen Wegen und einem wunderbaren kulturellem Zentrum, das in die
Welt und Umwelt der Aborigines einfuehrt.
Man kann sich der Faszination dieses gewaltigen Berges nicht entziehen. Der aus uralten Erdzeiten
stammende Monolith aus Granit und sedimentaerem
Sandstein erhebt sich 348 m aus
der Ebene, ist 2,5 km lang und 1,5 km breit.
Er ist keinesfalls ein einheitlicher massiver Klotz, sondern vielgestaltig, zeigt
Falten, Einkerbungen und Loecher. Auch
ist er nicht nur trocken. Man sieht die Spuren von Wasserlaeufen, die von den Gipfeln zeitweilig herunterrinnen. Wo sie
auf die Erde auftreffen, gibt es Feuchtgebiete
mit schattigen Waeldchen. Es gibt auch Billabongs, Wasserloecher, im Bergmassiv und
unterhalb der Felsen. So war er den Aborigines nicht nur heilig, sondern auch Wohn- und Nahrungsraum.
Bei grosser Hitze umfuhren und umwanderten
wir den Berg, naeherten uns den heiligen
Staetten (man betritt sie aus Respekt nicht, Teile wie die Nordseite des Berges sind "kulturell sensible" Zonen und sollen nicht fotografiert werden. Deshalb ist die Nordseite auch in unserer Bildergalerie nicht enthalten). Es gibt einen steilen Aufstieg zu
einem Gipfel, den man an einem
Gelaender hinaufklimmen muss. Er war wegen der Hitze geschlossen – es sind
schon 35 Menschen auf diesem Weg gestorben. Die Eingeborenen raten vom Aufstieg ab – und
wir haetten ihn aus Achtung vor ihren
Traditionen auch nicht unternommen. [Inzwischen haben es die Einheimischen erreicht, dass der Aufstieg ganz untersagt ist.]
Wissenschaftler erklaeren die Bildung des
Uluru damit, dass er aus haerterem
Gestein als die Umgebung besteht, somit vor der Abtragung bewahrt wurde und seine Form durch Wind und
Wetter erhielt. Das Rot erklaert sich
aus der Eisenhaltigkeit. Wenn man so
will: er ist ein “rostiger” Berg. Die Aborigines - die hier wohnenden Anangu - haben ihre eigene Sicht und
Erklaerung. Jede Bildung des Massivs ist
mit einer Entstehungslegende verbunden. Nach ihnen haben Ahnen(tier)wesen den Berg und seine Formung in der
“Traumzeit” - die Anangu sagen "Tjukurpa" - der bis heute wirkenden Urzeit, geschaffen.
Eine der Hauptlegenden erzaehlt von einem Kampf zwischen einer guten Ahnenschlange und boesen Giftschlangenleuten.
Kuniya, die Pythonschlangenfrau (Kuniya= Woma Python), kam mit ihren Eiern
zum Uluru, um dort ihre Jungen zu hegen. Ein Lirukaempfer, ein
Giftschlangenmann (Liru=Braunschlange), toetete ihren
Neffen mit dem Speer. (Die Speerwuerfe der Lirumaenner sind als Loecher in einer Felswand zu sehen.)
Kuniya raechte ihren Neffen, indem sie den Lirumann erschlug.
In der vorfindlichen Realitaet
gibt es am Uluru Pythons, die den
Eingeborenen heilig sind, aber auch als Nahrung dienen, und die toedlich giftigen Brown Snakes. Die Brown Snakes fressen oft
junge Pythons. Der Ort des mythischen Kampfes ist ein Wasserloch, das
Mutitjulu Waterhole. An einer Felswand
sieht man Einkerbungen, die wie Schlangen aussehen. Dies ist der Ort, wo sich
der Lirukaempfer aufhielt. Nach der
Eingeborenentradition halten sich die zu “Regenbogenschlagen-Geistern”
gewordene Schlangenfrau und ihr Neffe in dem Felseneinschnitt oberhalb des
Wasserloches auf, das den Billabong mit Wasser
speist. Sie sorgen dafuer, dass das Wasserloch gefuellt bleibt.
Fuer uns war der baumumstandene, mit
klarem Wasser gefuellte Teich einer der schoensten und “zauberhaften” Orte am Uluru. Wir waren ganz alleine dort, das Gros der Touristen fand offenbar nicht hierher. Bewegend fanden wir es auch, als sich uns eine ältere Aborigine zugesellte. Nach einer Weile fing sie an, uns die Felsengebilde mit den alten Geschichten zu erklären.
Sie führte uns auch zu einer nicht weit davon gelegenen Hoehle mit bunten symbolhaften Zeichnungen, mit deren Hilfe den Aboriginekindern Kenntnisse und Geschichten weitergegeben wurden. Sie selber betrat die Höhle übrigens nicht. (Die Höhle ist aber nicht als eine der "kulturell sensiblen" Zonen ausgewiesen, weshalb wir fotografiert haben.)
Am Ende des Tages – wir haben auch die
eindruckvollen Kata Tjutas besucht – versammelten wir uns mit Hunderten von
Besuchern an einem “Sunset-Place”, um den Sonnenuntergang zu erwarten. Es waren
aber Wolken aufgezogen und die vielgeruehmten Farben am Uluru waren nicht
spektakulaer. Dafuer waren aber die
Olgas in tiefes Rot getaucht.
Die Rueckfahrt traten wir im Dunkeln an. Weil die
Uebernachtung am Uluru-Ressort sehr teuer ist, wollten wir an einem 80 km weiter gelegenen Roadhaus bleiben.
Bei langsamer und vorsichtiger
Fahrt sprang uns kein Kaenguruh in das Auto, wir sahen aber drei wilde Kamele
an der Strasse stehen. Da Kamele nicht dumm sind, verzogen sie sich schnell, als wir kamen. Die kostenlose
Uebernachtung in Curtin Springs musste
aber doch “bezahlt” werden: mit Mueckenstichen und der Unmoeglichkeit zu
duschen, weil der Boden der
Duschraeume mit einer dicken
Schicht von Insekten bedeckt war. Ein
Arbeiter dort, der aus Westaustralien war, gab uns den Rat, so schnell wie
moeglich diesen Ort zu verlassen. Wir waren froh, wieder an unserem alten
Campingplatz in Alice Springs zu kommen ("Heavi Tree Gap"), wo man im Restaurant
wunderbar und preiswert speisen kann, vor allem das vorzuegliche australische
Rinder- und Schaffleisch.
Bei einer Uebernachtung in Tenant Creek
haben wir G. und R. aus Bargteheide kennengelernt, die seit ihrem
Ruhestand um die Welt reisen. Ihr
letzter Kontinent ist Australien. Mit ihnen trafen wir uns wieder in Katherine und wir wollen
uns auch im Kakadu-Nationalpark
sehen. Dieser und Darwin sind
unsere naechsten Ziele.
Zur Erinnerung: die Bilder können durch Anklicken vergrößert werden
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Auf der Fahrt nach dem Uluru ...
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... taucht ein Tafelberg auf - ist das der Uluru? Nein!
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Rote Erde
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Zuerst fahren wir am Uluru vorbei zu den Kata Tjuta ("Viele Köpfe"), den "Olgas" mit europäischem Namen, eine Konglomerat-Felsenformation, die den Männern des Anangu-Stammes heilig ist.
Unsere "Ethel" vor den Kata Tjuta
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Ehe wir einen Spaziergang machen, picknicken wir im Angesicht der bizarr geformten Felsen, die durch Einschnitte geteilt werden - gegen die vielen lästigen Insekten müssen wir uns dabei durch Fliegennetze schützen
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...dann geht´s 50 km wieder zurück zum Uluru
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Der Berg mit dem schön in die Landschaft eingefügten Kulturzentrum davor
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Hier ist der Weg zum Gipfel zu sehen. Die Einheimischen bitten darum,
ihn nicht zu besteigen, aber er war sowieso wegen der Hitze geschlossen |
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Wir wandern den Berg entlang ...
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... entdecken Löcher in den Wänden, die nach der Aborigine-Legende auf Speerwürfe mythischer Krieger zurückgehen.
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Es gibt von Wasserläufen geschaffene Einschnitte ...
... und Höhlen, die nicht betreten werden dürfen, weil sie heilig sind und für die Aborigines bestimmte Bedeutung haben


Soweit wir uns erinnern, ist diese Höhle nur Frauen zugänglich. Sie war wohl eine Initiationshöhle
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Nach der Umrundung machen wir uns auf den Weg zum Mutitjulu Wasserloch, einer kleinen Oase
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In diesen Felseinkerbungen sehen die Einheimischen mythische Schlangenwesen, die miteinander kämpfen |
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Echte Schlangen haben wir nicht gesehen, aber eine schlangenähnliche Echse (Gillens Waran/Varanus gilleni ?) |
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In einer Höhle finden wir Felsenmalereien - Die konzentrischen Ringe weisen auf Lagerplätze hin (Stein, Brunnen, Feuer, Höhle), der helle Halbkreis auf einen sitzenden Menschen. Die Zeichnungen dieser Art stellen wohl eine Art "Landkarte ", die den Eingeborenen vermittelt, wo sie Lagerplätze, Wasser und Nahrung finden
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Die Symbole der Felszeichnungen werden in heutigen Aboriginal-Bildern aufgenommen. Das Bild zeigt im zentralen Kreis die Management-Mitglieder des Uluru-Kata Tjuta Nationalparks: Frauen / Männer / Einheimische (braunrot) / Nicht-Einheimische (weiß). Die Füsse bezeichnen die einheimischen und nicht einheimischen Ranger. Das Gesamtbild symbolisiert den Park mit seinen Bewohnern und "Hütern des Landes" (Bild: Jennifer Taylor - entnommen dem "Visitor Guide" des Parks)
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Wir warten auf den Sonnenuntergang am Uluru ...
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... der sich nicht so spektakulär - wie erwartet - entwickelt
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...wir hätten lieber vor den Kata Tjuta warten sollen; den Sonnenuntergang bei denen beobachteten wir aus der Ferne
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Eines der harmlosen Insekten auf dem Campingplatz. Wenn sie in Massen auftreten oder dezimeterhoch den Boden des Duschraumes bedecken, ist das wenig gemütlich
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